Medizinstudium und Doktorarbeit

Das Sommersemester neigt sich mit einem Klausuren-Sprint dem Ende zu und da ich für heute genug vom „Alt-Fragen kreuzen“ habe, will ich nur mal schnell eine kleine Erklärung posten, weshalb mein letzter Beitrag schon eine Ewigkeit zurückliegt.
Vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen Leser, wie so ein Medizinstudium im 6. Semester aussieht.
Nämlich ungefähr so:

Stundenplan Screenshot für Website

Das ist ein kurzer Schnappschuss meines durchschnittlichen Stundenplans, den ich mir in Excel erstellt habe, dass ich auch ja keine Veranstaltung und Vorlesung verpasse. (Was bei den vielen unübersichtlichen Einzelstundenplänen der jeweiligen Fachrichtungen schnell passieren kann.)
Rot markiert sind übringens die Klausuren, die natürlich nicht jede Woche stattfinden. Aber es gibt trotzdem mehr als genug davon. In 2 Wochen steht die letzte Semesterwoche vor der Tür, mit alleine 5 Klausuren und einer mündlichen/praktischen Prüfung. (verteilt auf 3 Tage)
Das soll jetzt jedoch nicht zu einem Gejammer werden, sondern vielmehr zeigen, wie wenig Zeit einem neben der Uni für andere Dinge bleibt.
Wie zum Beispiel das Schreiben;-)

Besonders, wenn in den vielen Lücken des Stundenplans eigentlich überall statt freien Feldern „Doktorarbeit“ bzw. „Zeit im Labor“ stehen sollte. Denn außer dem Lernen bin ich momentan hauptsächlich damit beschäftigt Tumorpeptide zu identifizieren, die bei Glioblastom-Patienten eventuell einen Einfluss auf die Prognose der Erkrankung und die Überlebensdauer haben.
Wem das zu wissenschaftlich wird kann den nächsten Abschnitt gleich überspringen. Wer sich jedoch dafür interessiert – hier kommt eine kurze Erklärung meiner Doktorarbeit:

Ein Glioblastom ist ein bösartiger Tumor des Gehirns, den sich sicher niemand wünscht. Die Überlebenszeiten von Patienten unter den bisherigen Standardtherapieverfahren der Erkrankung schwanken momentan um ca. 12 Monate. (Natürlich sehr individuell auch nach dem jeweiligen Stadium des Tumors)
Alleine diese Aussichten zeigen schon, dass es höchste Zeit ist, sich ein paar neues Sachen einfallen zu lassen um dem Ganzen etwas entgegenzusetzen.
Ein Ansatz, der dabei bisher durchaus gute Ergebnisse geliefert hat, ist die „dentritische Zellvakzinierung.“
Dabei werden körpereigene Abwehrzellen darauf „trainiert“ den Tumor zu bekämpfen.
Und die bisherigen Studien zeigen, dass es tatsächlich funktioniert. Das durchschnittliche Überleben lässt sich circa verdoppeln.

[Für die extrem Interessierten hier kurz eine hoffentlich einfache und verständliche Erklärung der Funktionsweise und des Themas an dem ich persönlich arbeite:
Im Körper gibt es weiße Blutkörperchen, die für die Immunreaktionen verantwortlich sind. Eine besondere Art davon nennt man dentritische Zellen. Die sind für gewöhnlich damit beschäftigt bspw. Bakterien oder Viren zu „fressen“ und in ihre Bestandteile(=Peptide) zu zerlegen. Diese Bestandteile/Peptide schaffen sie an ihre Oberfläche und zeigen sie T-Killerzellen, die sie damit aktivieren.
Und was T-Killerzellen machen, kann man sich eigentlich schon vom Namen her denken. Sie töten andere Zellen, die dem Körper schaden könnten.
Die dentritische Zellvakzinierung baut jetzt darauf auf, dass man diese dentritische Zellen (bzw. Vorstufen davon) aus dem Blut des Patienten holt und ihnen statt Viren- oder Bakterienbestandteile, Teile des Tumors „zum Fraß vorwirft“. Natürlich mit der Hoffnung und dem inzwischen bewiesenen Effekt, dass wenn man die dentritischen Zellen dann wieder zurück in den Körper des Patienten spritzt die T-Killerzellen aktiviert werden und jetzt den Tumor als Ziel erkennen und angreifen. (Da das ganze im Prinzip wie eine Impfung gegen Krebs funktioniert wird das ganze Vakzinierung=Imfung genannt.)
Soweit so gut.
Bisher weiß man jedoch noch sehr wenig darüber, welche Bestandteile (Peptide) des Tumors eigentlich wichtig dafür sind, dass die Dendritischen Zellen die T-Killerzellen aktivieren können. Vielleicht ist es ja sogar so, dass manche Tumoren (die sich ja stark voneinander unterscheiden können, da sie „entartete“ Zellen des Körpers enthalten und jede „Entartung“ natürlich komplett unterschiedlich sein kann) ganz bestimmte Bestandteile in sich tragen, die die Immunantwort besonders gut aktivieren.
Und hier komme ich ins Spiel 😉
In meiner Doktorarbeit will ich genau solche Bestandteile (Peptide) finden, die eine entscheidende Rolle in der Aktivierung der T-Zellen spielen. Das Ziel dabei ist es, dadurch eine Art Vorhersage für den einzelnen Patienten zu treffen, ob die Therapie bei ihm überhaupt etwas bringen wird und wenn ja, wie viel sie ihm in seinem Kampf gegen den Tumor helfen kann.
Also klar eine Arbeit, die den einzelnen Patienten stark in den Mittelpunkt stellt, wie es in der „personalisierten Medizin“ ja immer mehr der Fall ist.]

Aber damit soll es erstmal genug wissenschaftlicher Kram für heute gewesen sein. Der Beitrag ist sogar wesentlich länger als ursprünglich gedacht, aber vermutlich ist er somit eine umso bessere Erklärung, warum der Wort-Zähler auf der rechten Seite der Website nur so geringe Fortschritte macht.

Allen noch einen schönen Abend. (Und natürlich auch viel Spaß beim Endspiel Deutschland vs. Argentinien)

Dominik

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s