Wie ein Buch-Cover entsteht – Teil 1

Dieser Post wird in zwei Teilen erscheinen.
Wer sich ausschließlich dafür interessiert, wie das fertige Cover von Zweite Chancen entstanden ist, kann mit dem Lesen gleich beim zweiten Teil einsteigen.
Diejenigen hingegen, die die „ganze Geschichte“ hören wollen, können hier den ersten Teil meines Erfahrungsberichts finden.

Am Beispiel meiner Novelle „Zweite Chancen“ will ich beschreiben, wie man als Indie-Autor eigentlich zu einem Cover für das eigenen Buch kommt.
Denn auch bei Buch-Covern ist es wie so oft im Leben:
Der erste Eindruck entscheidet meist sofort ob wir jemanden oder etwas mögen.
Um so wichtiger also, dass man ein Cover wählt, dass den Leser anspricht und die geschriebene Geschichte ins rechte Licht rückt.

Einen Cover-Designer in den tiefen des Internets zu finden, ist eigentlich gar nicht so schwierig. Nur am Ende auch wirklich beim Richtigen zu landen erfordert einige Geduld.
So startete ich meine Recherche mit dem Ziel folgende Fragen zu beantworten:
– Was macht ein gutes Cover aus?
– Wo findet man gute Cover-Desginer und auf was sollte man achten um einen solchen auch zu erkennen?
– Wie viel kostet so ein Cover eigentlich?

Als eine der größten Hilfen erwies sich dabei – wie bei vielen Fragen rund ums Self-Publishing – Matthias Mattings Self-Publisher-Bibel
So konnte ich recht schnell meine ersten Fragen beantworten.
Ein gutes E-Book-Cover muss:
– den Leser ansprechen
– auch als Vorschaubild (im kleinen Format) noch gut aussehen und lesbar sein
– auch in schwarz-weiß eine gute Figur machen, da viele E-Reader keine Farbdarstellung beherrschen
– das allgemeine Gefühl der Geschichte einfangen

Unter diesen Punkten halte ich den letzten für ganz besonders wichtig. Denn das Cover wird das Erste sein, was ein potentieller Leser von dem Buch sehen wird. Es wird also erste Erwartungen wecken, die das Buch später auch erfüllen sollte.

Schnell wurde mir außerdem klar, dass die einfachste Möglichkeit zu überprüfen, ob man das richtige Cover gefunden hat, die Frage: „Würde ich das selbst kaufen?“ ist.
Ein Vielleicht sollte hier auf keinen Fall ausreichend sein. Denn wenn man selbst schon nicht überzeugt ist, warum sollte es dann der Leser sein?

Nachdem ich nun wusste, was ich wollte, ging es daran den richtigen Designer zu finden.
Der preisliche Aspekt führte meine Suche dabei zuerst zu „vorgefertigten“ Covern. (Das sind vom Designer zum Verkauf angebotene Cover, die ohne Bezug zum eigenen Buch erstellt wurden. Findet man das richtige Motiv, wird dann nur noch der Titel und der Name des Autors eingefügt.)
Jedoch konnte mich keines der gefundenen Bilder wirklich begeistern und so musste ich meine Suche fortsetzten.

Ich durchforstete weiter das Internet und die Datenbanken von Deviant-art. (vermutlich die größte öffentliche Galerie überhaupt und ein wunderbarer Ort um entweder nach Inspiration zu suchen oder eben auch um Künstler zu finden)

Schließlich landete ich bei Casandra Krammer. Ihr Portfolio an bisher erstellten Covern gefiel mir und ich glaubte herausgefunden zu haben, dass sie einer Gruppe junger Künstler angehörte, die Indie-Autoren gerne dabei unterstützen wollte zum richtigen Cover zu gelangen.
Ich beschloss sie freundlich anzuschreiben und zu fragen, ob sie denn Interesse hätte ein Cover für meine Geschichte zu erstellen.
Die Antwort kam schnell und fiel tatsächlich positiv aus.
Allerdings existierte der Zusammenschluss von Künstlern, den ich gefunden hatte, in dieser Form leider nicht mehr.
Trotzdem einigten wir uns zunächst darauf, dass sie das Cover-Design übernehmen würde, und sie fragte mich, was ich mir denn eigentlich so vorstellen würde, wie das Cover aussehen solle.
Eine gar nicht so einfach zu beantwortende Frage. Schließlich gab es da einfach viel zu viele Elemente in der Geschichte, die als Teil des Covers vorkommen könnten.
Casandra schickte mir jedoch glücklicherweise eine vorgefertigte Tabelle, in der sie die verschiedenen Aspekte meiner Coverwünsche abfragte.
Nachdem ich dann eine Zusammenfassung meiner Geschichte und der Idee, welches allgemeine Gefühl von dem Cover ausgehen sollte, dort eingetragen hatte, schrieben wir noch zwei drei Mails hin und her und dann sollte es endlich losgehen.

Das Problem: Inzwischen war es kurz vor Weihnachten und ich hatte völlig unterschätzt, wie viele andere Self-Publisher selbstverständlich zur gleichen Zeit auf der Jagd nach guten Covern waren.
Ich würde daher eine Weile warten müssen, bis ich an der Reihe war.
Es kam dann jedoch zu einem kleinen Missverständnis zwischen Casandra und mir, bezüglich des Fertigstellungstermins, das unsere Zusammenarbeit leider doch nicht funktionieren lies.

Ich möchte allerdings ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich Casandra als Designerin wirklich empfehlen kann und sie sehr professionell an die ganze Sache herangegangen ist.
(Hätte ich rechtzeitig vor Weihnachten Bescheid gesagt, würde mein Cover jetzt sicher von ihr stammen.)

Tatsächlich bin ich über dieses kleine Missverständnis jedoch auch in gewisser Hinsicht wirklich froh. Denn ohne diese kleine Aktion wäre „Zweite Chancen“ vermutlich nie zu dem Cover gekommen, das man heute bewundern kann.

Der entscheidende Augenblick, der am Ende zum Cover meiner Geschichte führte, war die Entdeckung von Michael Coorlims Büchern. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich auf diesen Autor gestoßen bin. Aber ich glaube es war in einer Mail von bookbub.com, die ich täglich erhalte und in denen kostenlose oder preislich reduzierte E-Books aus dem amerikanischen bzw. englisch-sprachigen Raum beworben werden.

Auf jeden Fall wusste ich in dem Augenblick, als ich das Cover von „On the Trail of the Scissorman“ sah, dass ich herausfinden musste, wer es gezeichnet hatte.
Zu meinem großen Glück stand gleich im Impressum des Buches der gesuchte Name:
Collette J. Ellis
Natürlich habe ich sofort mit der Suche nach ihr begonnen und wurde schnell bei Deviant-Art und auf ihrer eigenen Website fündig.

Das nächste was ich tat, war ihr eine Mail zu schreiben.
Ursprünglich eigentlich nur aus dem Grund, um ihr zu sagen, wie außergewöhnlich gut mir ihre Arbeit und auch ihr restliches Portfolio gefiel.
Bevor ich die Mail jedoch abschickte zögerte ich einen Moment.
Sollte ich sie vielleicht danach fragen, ob sie für mich ein Cover zeichnen würde?
Bei der Arbeit, die sie leistete, konnte ich mir sicher sein, dass mich das mehr kosten würde, als ich ursprünglich auszugeben geplant hatte.
Schließlich ist „Zweite Chancen“ „nur“ eine Novelle von ca. 50 Seiten.

Dann fiel mir jedoch auf, dass meine Entscheidung schon in dem Augenblick gefallen war, als ich zum ersten Mal das Cover von Michal Coorlim gesehen hatte.
Ich hatte genug Zeit und Arbeit in Zweite Chancen gesteckt, um sagen zu können, dass die Geschichte es einfach verdiente in das passende „Kleid“ gehüllt zu werden.
Und wo der Ein oder Andere sich vielleicht alle paar Monate ein Paar neue Fußballschuhe kauft, konnte ich doch auch meiner Leidenschaft nachgehen.

Ich schickte die Mail ab.

Lange warten musste ich nicht:                                                                                             Nach zwei weiteren Mails stand fest, Collette würde meine Cover-Designerin werden.

Nachdem ich ihr ausführliche Informationen über die Handlung, das Setting und wichtige Elemente in der Geschichte zugesandt hatte, schickte sie mir einen Vertrag zu.
Im Prinzip handelte es sich dabei um eine reine Formsache und eine Art „Standardversion“, die wenig mehr aussagte, als das Collette ein Cover für mich erstellen würde.                                                                                                                                   Natürlich war das ganze aber in feinster Juristensprache verfasst. Und noch dazu natürlich auf Englisch. Denn wer es an dem Namen nicht schon längst erraten hat: Collette ist Engländerin.
Also musste ich das ein oder andere Wort in den Internetübersetzer tippen, bevor ich meine Unterschrift unter den Vertrag setzten konnte.
(Auch wenn der Vertrag natürlich vollkommen in Ordnung war, würde ich jedem dringend empfehlen ein solches Dokument durchzulesen, bevor man es unterschreibt. Ich musste beispielsweise einen Punkt im Vertrag ändern, da sich die Standardvorlage auf ein gedrucktes Buch bezog. Ich wollte hingegen nur ein E-Book erstellen. – Was sich später allerdings wieder ändern sollte.)

Dann hieß es ungefähr eine Woche warten (Zwei andere Kunden standen noch vor mir in der Schlange), bevor ich die ersten Konzeptzeichnungen zugeschickt bekam.

sketches

Wie es dann weiterging erfahren ihr im zweiten Teil, der Cover-Entstehung von Zweite Chancen.

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